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Wanderausstellung 

Die Vernichtung der Juden - eine Auseinandersetzung 

Barbara Greul Aschanta - Max Weinberg

Über die Entstehung der Wanderausstellung "Die Vernichtung der Juden - eine Auseinandersetzung"

"Im Herbst 1986 hatten wir eine gemeinsame Kunstausstellung in Frankfurt am Main. Der junge Organisator der Ausstellung machte, dem damaligen aufkommenden Zeitgeist gemäß, eine kokettierende antisemitische Bemerkung, über den jüdischen Hausherrn des Ausstellungsortes.

Dies war der Anlass, eine Ausstellungsidee zu finden und zu realisieren, die Genrationen- und rollenüberschreitend - DIE VERNICHTUNG DER JUDEN - reflektieren konnte. 

Ich sprach Max Weinberg an, eine gemeinsame Ausstellung mit mir zu realisieren unter dem Konzept: 

Ein jüdischer und ein nichtjüdischer Künstler, vor und nach dem Krieg geboren, und deutscher Nationalität

Von Beginn an war auch die Vorstellung da, aus der Ausstellung eine Wanderausstellung zu machen, die in Deutschland und im Ausland gezeigt werden sollte. Über den langen Zeitraum waren wir selbst erstaunt...und was sich alles in und um die Ausstellung ereignet hat." 

Zitat: Barbara Greul Aschanta


Wanderausstellung - Die Vernichtung der Juden - seit 1986

Barbara Greul Aschanta - Max Weinberg

Konzeptionelle Idee: Greul Aschanta

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Bisherige Ausstellungsorte

1987  Börneplatz, Frankfurt/Main 

1990  Nachfolge Christi Kirche, Bonn

1990  Kunstverein, Bad Hersfeld

1990  Samariterkirche, Berlin

1990-91  Gedenkstätte Buchenwald, Weimar

1991  Kreuzkirche, Dresden

1992  Kunsthalle, Siegen

1995  Mahn- und Gedenkstätte, Düsseldorf  

1995-96  Jüdisches Museum, Frankfurt/Main

1997  Stadt Aachen

1998  Neues Rathaus, Leipzig

1998  Forum, Stadt Köln 

2001  Staatstheater, Darmstadt

2002  Theatre Esch, Esch-Luxemburg 

2005  Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst 

2007  Museum der Stadt Langen

2008  Martinskirche, Kassel 


Wanderausstellung (Auszug) 2010 - 2014

Auch in kleineren Räumen wurde die Ausstellung bereits präsentiert - zwar mit deutlich weniger Werken, aber nicht weniger beeindruckend (aus der Privatsammlung der Initiatorin Barbara Greul Aschanta)

2018 Klassik gegen Rechts, Schwalbach

2018 Historisches Museum, Frankfurt am Main - Intern.Immigrantionsbuchmesse


Die Ausstellung ist seit 2011 in Yad Vashem / Jerusalem, archiviert. Die Ausstellung wird bis heute im In- und Ausland gezeigt.


Gekürzte Eröffnungsrede von Prof. Dr. Georg Heuberger, ehemaliger Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt/Main, ehemaliger Präsident der Claims Conference, Deutschland, 2007 Museum der Stadt Langen

Die künstlerische Auseinandersetzung mit der „Vernichtung der Juden“ ist auch deshalb so bedeutsam, weil gerade durch die nichtsprachliche Ebene der Betrachter die Gelegenheit erhält, seine ganz eigene emotionale Beziehung zu diesem Thema zu entwickeln. Hinzu kommt, dass Weinberg und Greul Aschanta einen jeweils unterschiedlichen Zugang und eine persönliche Dimension zum Ausdruck bringen, die durch ein Begriffspaar: hier die Aggression, die Gewalt, dort die stille Trauer nur unzureichend beschrieben werden kann.

Zusammen bieten die Arbeiten von Max Weinberg und Barbara Greul Aschanta sowohl die Täterperspektive als auch die der Opfer dar, aber nicht in einer Art „falscher Symmetrie“, sondern als eine jeweils notwendige Ergänzung. Trotz meiner Bedenken gegen den Begriff einer „deutsch-jüdischen Symbiose“ - da sie realhistorisch nie existierte -, können wir ihn für diese Ausstellung vielleicht verwenden. Oder um es mit den Worten der Künstlerin Greul Aschanta selbst zu sagen: „Dies ist wie ein Traum und eine Sehnsucht für Opfer und Täter in der Heimatlosigkeit des Grauens.“

„Wie viel Heimat braucht der Mensch?“ fragte einst Jean Améry, ein Auschwitz-Überlebender - eine Frage, die er selbst niemals beantwortet hat: Er beging Selbstmord. Demgegenüber zeichnen Weinberg und Greul Aschanta ihr steter Kampf gegen das Vergessen und für die Erinnerung aus. Für beide ist Kunst einer der vielen Versuche, das Leben menschenwürdig zu bestehen.

Und zur Frage der Heimat möchte ich mit einem Zitat von Theodor W. Adorno enden, der bereits eingangs zu Wort kam: „Wer aber zu den Verfolgten gehört, für den gibt es keine ungebrochene Identifikation mehr. Der Begriff der Heimat, der Nation, all das ist gebrochen. Nur noch eine Heimat ist denkbar - eine Heimat, aus der keiner mehr ausgeschlossen wäre, die Menschheit.“

Kassel - Martinskirche 2008

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Fotos: oben "Sternenportal" von Greul Aschanta; unten vlnr. "Kreuze" von Weinberg, "Monster" von Weinberg; "Aufblick" von Greul Aschanta